Studienzentrum Gut Durchdacht
Unabhängiges Ratgeberportal

Weiterbildung Traumapädagogik

Eine Traumapädagogik-Weiterbildung dient als Qualifizierung für Pädagogen und Therapeuten, die ihre Kompetenzen in der Arbeit mit traumatisierten Menschen ausbauen und diesen Klienten künftig besser helfen möchten. Therapie und Pädagogik gehen dabei Hand in Hand und werden durch verschiedene Methoden zu einem umfassenden Ansatz vereinigt. In diesem Zusammenhang muss man allerdings klar differenzieren, denn die Traumapädagogik versteht sich keinesfalls als Therapieansatz. Darüber hinaus soll sie auch nicht der reinen Konfliktlösung mit Kindern und Jugendlichen dienen.berufsqualifizierung

Definition Traumapädagogik

Die Traumapädagogik nimmt somit eine besondere Stellung ein, wodurch sich Laien zunächst schwer tun können, das Wesen der Traumapädagogik zu ergründen. Eine umfassende Definition des Begriffs ist daher unbedingt erforderlich und gibt Menschen, die Interesse an einer Weiterbildung im Bereich Traumapädagogik haben, Aufschluss darüber, worauf sie sich konkret einlassen. Grundsätzlich lässt sich die Traumapädagogik als Zusammenfassung unterschiedlicher pädagogischer Methoden definieren, die auf Erkenntnissen aus der Traumatherapie und Psychotraumatologie basieren. Kennzeichnend für die Traumapädagogik ist die Tatsache, dass sie diese Erkenntnisse auf die Pädagogik überträgt und somit aus ihrem ursprünglich therapeutischen Umfeld nimmt. Auf diese Art und Weise ist ein pädagogisches Gesamtkonzept entstanden, das vor allem in der stationären Kinder- und Jugendhilfe zum Einsatz kommt.

Kinder und Jugendliche, die in stationären Einrichtungen der Jugendhilfe untergebracht sind, haben oftmals bereits traumatische Erlebnisse hinter sich, die die kindliche Seele nicht so einfach verkraften kann. Psychische Probleme und Verhaltensauffälligkeiten sind daher häufig die Folge und begleiten die Betroffenen mitunter ein Leben lang. Unterstützend kann hier die Traumapädagogik zum Einsatz kommen und zielt auf die Stabilisierung der jungen Klienten auf sozialer und emotionaler Ebene ab.

Techniken der professionellen Traumapädagogik

Die Stärkung traumatisierter Kinder und Jugendlicher in stationären Einrichtungen der Jugendhilfe hat für Traumapädagogen oberste Priorität. Pädagogische Fachkräfte greifen in diesem Zusammenhang auf unterschiedliche Techniken zurück, um ihren noch jungen Klienten zu mehr emotionaler und sozialer Stabilität zu verhelfen. Durch die Interventionen sollen die folgenden Bereiche in besonderem Maße gefördert werden:

  • Körper- und Sinneswahrnehmung
  • Selbstverständnis
  • physische und psychische Widerstandsfähigkeit
  • Emotionsregulation
  • Selbstregulation
  • soziale Teilhabe
  • Bindungspädagogik
  • Gruppenpädagogik
  • Elternarbeit

Betrachtet man die Bandbreite der Techniken, wird deutlich, dass es sich bei der Traumapädagogik um ein Gesamtkonzept handelt, das auf verschiedenen Ebenen arbeitet. Pädagogische Fachkräfte, die diese Erkenntnisse für ihre Arbeit in der stationären Jugendhilfe nutzen möchten, benötigen folglich umfassende Kompetenzen.

Ausbildung im Bereich Traumapädagogik

Traumatisierte Kinder und Jugendliche haben häufig Schlimmes erlebt und im Laufe der Zeit Strategien entwickelt, mit den Erlebnissen zurechtzukommen. Dies äußert sich zuweilen durch auffälliges Verhalten, dem die Traumapädagogik entgegentritt. Pädagogen müssen gewissermaßen einen Raum schaffen, in dem die Kinder Sicherheit finden, um ein positives Selbstbild sowie Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl entwickeln zu können. Transparenz, Autonomie und Spaß sind weitere Faktoren, die den Erfolg entsprechender Konzepte bestimmen.

In den vergangenen Jahren wurde allmählich erkannt, dass es in der Kinder- und Jugendhilfe auch einer professionellen Traumapädagogik bedarf. Mittlerweile existieren bereits einige Institute, die eine Ausbildung zum Traumapädagogen anbieten. Interessenten sollten in diesem Zusammenhang besonderen Wert auf die Einhaltung der Standards zur Qualifikation für Traumapädagogik und traumazentrierte Fachberatung legen, die im Zuge einer Kooperation der deutschsprachigen Gesellschaft für Psychotraumatologie und Bundesarbeitsgemeinschaft Traumapädagogik definiert wurden.

Traumapädagogik-Fortbildung für pädagogische Fachkräfte

Eine Ausbildung als Traumapädagoge ist für Quereinsteiger nicht empfehlenswert, denn Erfahrung im pädagogischen Bereich sollte auf jeden Fall vorhanden sein, wenn man mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen arbeiten möchte. Die von den Ausbildungsinstituten angebotenen Seminare sind daher als Traumapädagogik-Fortbildung für pädagogische Fachkräfte konzipiert und setzen in der Regel relevante Berufserfahrung voraus. Es handelt sich daher um eine Zusatzqualifikation für Berufserfahrene, auch wenn zuweilen von einer Ausbildung die Rede ist. Voraussetzung ist aus diesem Grund in der Regel ein abgeschlossenes Studium aus dem pädagogischen oder psychologischen Bereich. Gegebenenfalls kann auch eine abgeschlossene Berufsausbildung in Verbindung mit einer mehrjährigen Berufserfahrung genügen. Die traumapädagogische Weiterbildung umfasst dann unter anderem die folgenden Inhalte:

  • psychische Traumatisierung
  • psychotraumatische Syndrome
  • Traumaverarbeitung
  • Kindheitstraumata
  • traumazentrierte Beratung
  • Grundlagen der traumazentrierten Pädagogik
  • Ebenen der Stabilisierung

Weiterbildung Traumatherapie

WeiterbildungAuf den ersten Blick erweckt die Weiterbildung Traumatherapie den Eindruck, es handele sich lediglich um eine andere Bezeichnung für die Fortbildung zum Traumapädagogen, doch dem ist nicht so. Die Traumatherapie ist klar von der betreffenden Pädagogik abzugrenzen und konzentriert sich auf die Behandlung von Traumata. Die Therapie traumatischer Störungen basiert auf psychoanalytischen und verhaltenstherapeutischen Verfahren und obliegt Therapeuten und nicht Pädagogen.


Sie fanden diesen Beitrag hilfreich?
  • 4/5
  • 10 ratings
10 ratingsX
überhaupt nicht eher weniger soweit ok gut sehr gut
0% 0% 0% 0% 0%